Mein neuer „Leuchtturm-Trip“ führt mich diesmal in
den Norden Deutschlands. Hier nahe der deutsch-dänischen Grenze liegt
Deutschlands wohl bekannteste Insel – Sylt, die von Insidern nur
schlicht „Die Insel“ genannt wird.
Mit einer Größe von 99 Quadratkilometern ist Sylt die größte
der zahlreichen deutschen Inseln in der Nordsee. Aber wie lange noch?
Unaufhörlich nagen Sturm und Gezeiten an der Insel und jährlich
fallen ihnen ca. 8 Hektar der Landmasse zum Opfer. Sylt ist bekannt für
seine bis zu 30 Meter hohen Sanddünen und wegen seines während
des gesamten Jahres gesunden Seeklimas sehr beliebt. Viele Prominente
aus Film, Fernsehen und Politik haben sich in zum Teil luxuriösen
Villen in den romantischen Dörfern der Insel niedergelassen. Seit
1927 ist Sylt über den 11 Kilometer langen „Hindenburg-Damm“
– benannt nach dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934)
– mit dem Festland verbunden. Von morgens bis abends werden mit
der Bahn Ströme von Touristen über diesen Weg auf die Insel
transportiert. Zusätzlich zu den ca. 25.000 Einwohnern bevölkern
jedes Jahr fast 1 Million Besucher die Insel.
Ganz
im Süden von Sylt (54°45’N/8°18’E) wurde 1906
nahe der zu dieser Zeit einzigen Anlegestelle für die von Hamburg
anlaufenden Dampfschiffe der Leuchtturm HÖRNUM (B 1732) gebaut. Der
rote Turm mit seinem weißen Band wurde aus vielen Eisenplatten zusammengeschraubt.
Diese Bauweise ermöglicht es, dass der Turm bei Bedarf wieder auseinander
genommen und an anderer Stelle errichtet werden kann. Aufgrund seines
erhöhten Standortes hat der an sich 33 Meter hohe Leuchtturm eine
Feuerhöhe von 48 Metern. Sein Licht wird 20 Seemeilen hinaus auf
das Meer getragen. Einzigartig in der Geschichte der deutschen Leuchttürme
ist, dass HÖRNUM bis 1930 als Schule für die Kinder des gleichnamigen
Ortes genutzt wurde. 1948 wurden mit dem Anschluss an das Stromnetz der
Insel die alten Dieselgeneratoren abgeschaltet. Auch HÖRNUM´s
Standort läuft Gefahr, eines Tages von der See gefressen zu werden.
So ist bereits 1979 das alte Unterfeuer HÖRNUM eingestürzt und
musste durch einen 7 Meter hohen rot-weißen Eisenturm ersetzt werden.
Auf
dem Weg in den Norden der Insel passieren wir Westerland, den größten
Ort der Insel. Hier kommen die Züge vom Festland an und hier befindet
sich auch der einzige Flugplatz. Gleich neben dem Flugfeld liegt ein herrlicher
Golfplatz. Nach etwa 5 weiteren Kilometern erreicht man den kleinen Ort
Kampen, wo gleich zwei Leuchttürme stehen. Zunächst ist dort
der außer Dienst gestellte achteckige und neun Meter hohe Turm ROTE
KLIFF (55°58’N/8°20’E). Er steht an der Westklippe
der Insel inmitten der grasbewachsenen Dünen. Seine Aufgabe war es,
die Schiffe und Boote vor der langen Sandbank im Westen der Insel zu warnen.
Der Turm ROTE KLIFF wurde 1913 aus roten Backsteinen gebaut und war bis
1975 im Dienst. Nachdem die alte Optik ausgebaut wurde, ist die grüne
Laterne nun leer. Die wichtige Aufgabe des kleinen rot-braunen Leuchtturms
wurde 1975 von seinem „großen Bruder“ KAMPEN übernommen,
aber der ROTE KLIFF wird heute noch als Tagesmarke von den zahlreichen
Segelbooten und Surfern genutzt.
Nicht
weit entfernt vom alten Leuchtfeuer, ungefähr 800 Meter Luftlinie
in südöstlicher Richtung, treffen wir auf den großen Leuchtturm
KAMPEN (54°57’N/8°21’E). 1855 hatte der dänische
König Frederik VII den Auftrag gegeben, einen Leuchtturm auf Sylt
zu bauen. Baumaterial bildeten gelbe Backsteine, die von der dänischen
Ostseeinsel Bornholm heran geschafft worden sind. Bevor das Leuchtfeuer
1956 aber in Betrieb genommen werden konnte, wurde seine große Optik,
eine Fresnel Linse 1. Ordnung, der interessierten Öffentlichkeit
auf der Weltausstellung in Paris präsentiert.
KAMPEN (B 1740) ist 38 Meter hoch, hat aber eine Feuerhöhe von stolzen
62 Metern, da der Turm auf einer Sanddüne steht. Das weiße
Licht von KAMPEN hat eine Tragweite von 20 Seemeilen , das rote Licht
von 16. Trotz seiner massiven Bauweise musste der Turm 1875 mit einem
schwarzen Korsett aus Eisenstangen verstärkt werden, um ihm die erforderliche
Stabilität zu geben. Seit 1977 ist das größte Leuchtfeuer
der Insel automatisiert.
An
der Nordspitze von Sylt, mitten im Naturschutzgebiet „Ellenbogen“,
wo viele seltene Vogelarten ihr Zuhause haben, steht Deutschlands nördlichster
Leuchtturm LIST-WEST (55°03’N/8°24’E, B 1746). Auch
dieser Turm wurde 1865-57 zusammen mit seinem „Zwillingsbruder“
LIST-OST (55°03’N/8°27’E, B 1748) unter dänischer
Regentschaft erbaut. Beide Türme sind seit 1858 im Dienst und markieren
die Schifffahrtslinie zum dänischen Hafen Rönö. Sie wurden
ebenso wie HÖRNUM aus Eisenplatten zusammegesetzt. Wie bereits vorher
erwähnt, ermöglicht diese Bauweise nicht nur einen Standortwechsel,
sie hat auch den Vorteil einer relativ kurzen Bauzeit und geringer Kosten.
LIST-WEST ist 11 Meter hoch, hat eine Feuerhöhe von 19 Metern und
eine maximale Reichweite von 14 Seemeilen mit seinem weißen Licht.
 LIST-OST
(13 Meter, Feuerhöhe 22 m und 14 Seemeilen Tragweite) steht an einem
Punkt der Insel, der für seine interessante Windkonstellation bekannt
ist . Deshalb ist dieser Platz auch beliebt bei den Windsurfern. Jedes
Jahr trifft sich dann hier auch die Elite der Windsurfer , um verschiedene
Weltcuprennen auszutragen. Lange Jahre wurden die beiden Leuchttürme
im Ellenbogen von Kampfflugzeugen der Luftwaffe und Marine als Orientierungspunkte
genutzt, wenn sie in ihrem Zielanflug in ein Übungsgebiet über
der Nordsee waren. Heute gibt es über den Sanddünen keinen Düsenlärm
mehr und die Ruhe der Seemöwen wird zum Glück nur noch durch
die wandernden Touristen oder andere verrückte Menschen wie mich
gestört, die nach Leuchttürmen suchen.
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