Am 24. April 1999 war es wieder soweit. Gemeinsam mit meinem Leuchtturmfreund
Werner Berthold startete ich zur mittlerweile 3. „Leuchtturm-Safari“.
Diesmal sollte es auf die Isle of Man und nach Irland gehen. Mit dem „Shuttle“
fuhren wir von Calais unter dem Ärmelkanal hindurch nach Folkstone.
Das United Kingdom empfing uns mit strömenden Regen, doch je näher
wir unserem ersten Reiseziel Heysham an der Westküste kamen, desto
besser wurde das Wetter. Von hier nahmen wir am nächsten Tag die
Fähre nach Douglas auf der Isle of Man.
 Nach
3 ½ Stunden sehr ruhiger Überfahrt begrüßten uns
der Leuchtturm DOUGLAS HEAD (A 4770) und das schöne

BATTERY
PIER LIGHT (A 4772). Wir waren kaum von der Fähre runter gefahren,
da wurden wir auch schon von John Hellowell , dem Autor des Buches „A
Tour of Manx Lighthouses“, und seinem kleinen Sohn Ben empfangen.
Bei Tee und gutem Bier sowie interessanten Gesprächen über Leuchttürme
verbrachten wir einen netten Abend. Johns Frau Gilly ist eine hervorragende
Köchin und war eine tolle Gastgeberin.
 Mit
Hilfe einer von John vorbereiteten Landkarte haben wir in den folgenden
2 Tagen „anti-clockwise“ die wunderschöne Insel umrundet.
Die drei weiteren großen Türme der Insel LANGNESS (A 4762),

MAUGHOLD
HEAD (A 4786) und ganz im Norden der
 
POINT
OF AYRE (A 4720) standen natürlich ganz oben auf unserer Liste. Insgesamt
haben wir auf der Isle of Man 18 Lichter besucht.
Als wir am Calf Sound eine kurze Teepause machen wollten, hatten wir das
Glück, eine Helicopter Operation des Northern Lighthouse Board (NLB)
zu beobachten. Vom Parkplatz des Ausflugpunktes wurden Techniker mit dem
Hubschrauber zum Chicken Rock geflogen, wo seit Monaten Arbeiten zur Umstellung
auf Solarenergie stattfanden. Der Chief Engineer des Northern Lighthouse
Board (NLB), Bill Patterson, nahm sich freundlicherweise die Zeit , um
mir die Einzelheiten der technischen Umrüstarbeiten auf dem Chicken
zu erläutern.
Am nächsten Tag, die See war ruhig und die Sonne brannte heftig,
nahm uns John in seinem Boot mit auf den Calf of Man . Nach der Landung
in der kleinen Bucht begann der Marsch hinauf zu den 3 Lichtern der Insel.
Ein herrlicher Flecken Erde. Bis auf den Vogelschützer Tim Warden
ist die Insel mittlerweile unbewohnt und zu einem Paradies für zahlreiche
Vogelarten geworden.
  Besonders
beeindruckend waren die beiden alten Leuchttürme, die 1818 von Robert
Stevenson gebaut wurden. Dagegen wirkt das moderne neue Calf of Man Licht
(A 4746) schon fast hässlich. Leider sind die beiden alten Türme
in keinem guten Zustand mehr. John Hellowell hat es sich zur Aufgabe gemacht
, daran etwas zu ändern. In einem ersten Schritt soll nun das Laternenglas
im Low Light erneuert werden. Welch ein Glück , dass es solche Menschen
mit so viel Enthusiasmus gibt. Bevor es dann zurück in den Hafen
von Castletown ging, kam das 1. Highlight unserer Reise.

Die
Fahrt zum CHICKEN ROCK (A 4748). Was für ein Erlebnis! Majestätisch
ragte der Turm aus dem Wasser vor uns empor. Das Helipad war überflutet
und rings um den Felsenturm herrschte eine gefährliche Strömung.
John hatte Probleme sein Boot auf Kurs zu halten. Diesen überwältigenden
Eindruck werden wir so schnell nicht vergessen.
Nach 3 ½ schönen Tagen auf der Isle of Man brachte uns die
Fähre von Douglas nach Irland in den Hafen von Dublin. Auch hier
führte uns unsere Reiseroute „anti-clockwise“ um das
gesamte Irische Festland. Vor unserer Reise hatten wir Kontakt zu den
Commissioner of Irish Lights aufgenommen und Dank Mr. David Bedlow (Information
Officer) waren wir bei allen Attendants angekündigt.
Fast überall wurden wir sehr freundlich empfangen und gut unterstützt. Nach gut 1 Stunde erreichten wir BAILY
Lighthouse (A 5898). Der Attendant Brendan Carty und einige Techniker
warteten gerade auf einen Servicehelicopter, der sie einige Meilen hinaus
zum

KISH
BANK (A 5865) in die Irische See bringen sollte. Diesmal hatten wir noch
mehr Glück, denn Brendan Carty arrangierte einen Helicopterflug für
uns, inklusive einer Landung auf dem Helipad über der Laterne . Davon
hatte ich Leuchtturmverrückter schon immer geträumt. Manchmal
gehen Träume in Erfüllung! Der nette Pilot drehte beim Abflug
noch einige Runden um den KISH und dann bei der Landung auch um BAILY.
So konnten wir schöne Fotos schießen und Videoaufnahmen machen.
Im Anschluss zeigte uns Brendan natürlich auch noch seinen Turm.
Besser hätte der Start in Irland wirklich nicht sein können.

Weiter
führte uns unsere Fahrt die Ostküste hinauf nach Nordirland,
wo wir einige besonders interessante Leuchtturmstationen besichtigen konnten.
So zum Beispiel der schwarz-gelbe Turm ST. JOHN´S LOW (A 5958) wo
wir von Attendant Henry Henvy und seiner Frau Mary betreut wurden.

In
INISHOWEN (A6084) gab uns Neil Smith eine Privatführung durch seinen
gerade frisch renovierten Turm. Das nördlichste Licht auf unserer
Reise war
 FANAD
HEAD (A 6168). In strahlendem Sonnenlicht und leichtem Sturm präsentierte
sich uns der faszinierende Leuchtturm an der wogenumtosten Landspitze.
Jeden Abend nachdem wir ein Bed & Breakfast Quartier gefunden hatten
wurde in einem gemütlichen Pub bei Guinness oder Kilkenny –
Fish & Chips durften auch nicht fehlen - der Tag noch einmal nachbereitet.
Schließlich wollten wir so viel Informationen wie möglich über
jeden einzelnen Turm für unsere privaten Archive zusammentragen.
Nun ging es zurück in Richtung Süden die irische Westküste
hinunter. Wir durchquerten wunderschöne Landschaften, mit saftig
grünen Wiesen auf denen zahllose Schafe weideten. So wie wir Irland
aus vielen Filmen und Büchern kennen. Der liebe Gott muss das Irische
Volk sehr lieben, dass er ihm so ein wunderschönes Land geschenkt
hat, und seine Menschen strahlen eine Freundlichkeit und Heiterkeit aus,
die beispielgebend ist.
Nächste Leuchtturmstationen waren unter anderem ST. JOHN´S
POINT DONEGAL (A 6222) und der berühmte METAL MAN (A 6244) in der
Sligo Bay.
Am 9. Tag unserer Fahrt erreichten wir LOOP HEAD (A 6338). Vom Attendant
Thomas McInerney bekam ich eine gebrauchte große 100 Volt /1000
Watt Birne für meine Leucht-turmsammlung. Insgesamt ist auf dieser
Reise mein Archiv um 9 unterschiedliche Birnen gewachsen. Langsam aber
sicher wird aus meinem Zuhause ein kleines Leuchtturm-Museum.
In Killmer nahmen wir die Fähre über den Shannon, die ganz nahe
am TARBET POINT (A 6343) vorbei fuhr. Während der Überfahrt
lernten wir mit Brendan Garvey und seinem Bruder zwei pensionierte Leuchtturmwärter
kennen. Seit fast 100 Jahren gab es in ihrer Familie Leuchtturmwärter.
Zuletzt hatte Brendan auf Loop Head und dem Bull Rock Dienst geleistet.
Nach einer abenteuerlichen Fahrt auf einer steilen Schotterpiste lag dann
auf Valentia Island der CROMWELL POINT (A 4616) vor uns. Da der Attendant
nicht anwesend war, musste ich eine waghalsige Kletterpartie unternehmen,
um ein paar gute Bilder zu bekommen.
Am MIZEN HEAD (A 6448) dem südwestlichsten Punkt Irlands ist ein
nettes kleines Museum zu besichtigen, wo man viele alte original Leuchtturm-Erinnerungsstücke
bewundern kann.

An
der Südküste angekommen, begannen die letzten Tage unserer „Leuchtturm-Safari“,
aber es sollten noch einige besondere Türme auf uns warten. Über
CROOKHAVEN (A 6450), leider in sehr schlechtem Zustand, GALLEY HEAD (A5708)
und den

OLD
HEAD OF KINSALE (A 5710) kamen wir am 12. Reisetag bei herrlichem Wetter
am

ROCHE´S
POINT (A 5718) an, wo Jim Powell seine Malerarbeiten unterbrach, um uns
seinen Leuchtturm zu präsentieren.

Auch Noel Scanlan wartete bereits am Leuchtturm YOUGHAL
(A 5776) auf die beiden Leuchtturm-Freaks aus Deutschland. Auf dem Weg
zum weltberühmten

HOOK
HEAD (A 5798) begann es zu regnen. Per Handy nahm ich Kontakt mit Attendant
Tucks Tweedy auf, der sich trotz anderer Termine sofort auf den Weg machte,
damit wir seinen Turm besteigen konnten.
Kaum angekommen am Hook Point, schon brachen die Sonnenstrahlen durch
die Wolken Dieses Glück hatten wir fast bei jedem Licht auf dieser
Reise. Wie sagt das Sprichwort so treffend? „Wenn Eglen reise...“.
Nun hatten wir das irische Festland fast komplett umreist. Nach dem Besuch
des

WICKLOW
HEAD (A 5850) und dem letzten Leuchtturm-Stop im Hafen von Dun Laoghaire
mit den schönen Breakwater Lights sowie dem alten Feuerschiff CONINGBEG
war dann auch der Kreis unserer Leuchtturmreise geschlossen.
Am 14. Tag, dem Tag unsere Abreise sind wir zum Abschluss noch nach Dublin
in die Lower Pembroke Street No. 16 gefahren, um uns bei den Commissioners
of Irish Lights für die hervorragende Unterstützung auf unserer
Reise zu bedanken. Am Abend gingen wir an Bord der Fähre in Rosslare
und zum Abschied leuchtete in der Nacht der TUSKAR ROCK (A 5838 )für
uns.
Zwei erlebnisreiche und schöne Wochen gingen dem Ende entgegen. Bei
einem letzten Glas Guinness ließen wir noch einmal die letzten Tage
Revue passieren. Insgesamt haben wir 85 Leuchttürme und kleinere
Lichter gesehen.
Besonders beeindruckend waren aber für mich die Menschen, die wir
auf dieser Reise getroffen haben. Ihre Lebensfreude und Hilfsbereitschaft
sind einfach bewundernswert. Die Isle of Man und die grüne Insel
Irland sind wirklich eine Reise wert. Noch ist die Nachbereitung unserer
3. Fahrt nicht ganz abgeschlossen ,doch schon stellt sich die Frage, wohin
uns denn die nächste Reise führen wird. Zu frisch sind noch
die guten Erinnerungen und noch immer habe ich den Geruch von Salz und
Maschinenöl in der Nase, der durch jeden Leuchtturm zieht. Wenn man
einmal vom Leuchtturm-Bazillus befallen ist und an der schönen „Krankheit“
Pharomanie leidet, dann gibt es kein Halten mehr. Die Küste mit ihren
faszinierenden Türmen ruft immer wieder und Leuchttürme sind
einfach sexy.
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