Die fünf Lichter von Fehmarn
(1992)


In der Ostsee, zwischen Deutschland und Dänemark, getrennt durch die Kieler und die Mecklenburger Bucht, liegt die Insel Fehmarn. Der Fehmarn Belt Wasserweg war einer der wichtigsten Schifffahrtslinien in den letzten Jahrhunderten und hat heute noch seine besondere Bedeutung für die Schifffahrt von der Ost- in die Nordsee und umgekehrt.

Das deutsche Festland – rund 1.000 Meter entfernt – ist mit dem Süden von Fehmarn durch eine architektonisch interessante Auto- und Eisenbahnbrücke, die Fehmarnsund Brücke, verbunden. Sie bildet den Beginn der Vogelfluglinie, die über Puttgarden im Norden der Insel weiter nach Dänemark führt. Die 180 Quadratkilometer große Insel gehörte noch im 19. Jahrhundert zu Dänemark. Fehmarn wird von rund 35.000 Menschen bewohnt. Hinzu kommen jedes Jahr Tausende von Besuchern und Urlaubern. Der Hauptort der Insel ist Burg. Regelmäßig im Herbst ziehen gigantische Schwärme von Zugvögeln auf ihrem Weg aus dem kalten Skandinavien in die wärmeren südlichen Regionen über die Insel hinweg.

Wegen der besonderen Bedeutung von Leuchtfeuern für eine exakte Navigation in diesen teilweise sehr gefährlichen Gewässern haben die dänischen und später dann auch die deutschen Herrscher von Fehmarn an allen Ecken, an jedem Huk, der Insel Leuchttürme errichtet.

Erster Stopp auf der Fahrt zu den 5 Lichtern Fehmarns ist STRUKAMPHUK (C 1288), der kleinste der Leuchttürme im Süden der Insel. Kurz nach dem Verlassen der Fehmarnsund Brücke geht es links ab. Nach etwa 5 Minuten erreicht man den kleinen runden Betonturm (5 m), der 1935 erbaut worden ist. Er ist bereits das 4. Licht an dieser Position (54°5’N/11°6’E). Zum ersten Mal wurde hier, wo im 19. Jahrhundert die Postschiffe aus Hamburg anlegten, 1854 ein Licht gezündet. STRUKAMPHUK bildet zusammen mit dem Oberfeuer FLÜGGE (C 1288.1) eine Richtfeuerlinie für den Süden des Fehmarn Belts.


Der achteckige FLÜGGE Leuchtturm ragt ungefähr 5 Kilometer weiter westlich in den Himmel. Mit 37 Metern ist er der höchste Turm der Insel. Das erste Leuchtfeuer brannte an der Südwest-Spitze (54°26’N/11°01’E) im Jahre 1872 auf einem 16 Meter hohen gelben Backsteinturm. Der heutige Turm wurde 1914/15 nach den Plänen des Turms NEULAND gebaut und 1916 in Betrieb genommen. Der erste Flügger Turm wurde danach aus Sicherheitsgründen abgetragen. Auch der zweite Turm hatte ursprünglich ein gelbes Mauerwerk, aber er musste, so wie viele andere Leuchttürme dem rauen Seeklima Tribut zollen. Er verlor seine alte Charakteristik und wurde 1976/77 mit rot-weißen Faser-zementplatten verkleidet. Die Tragweite des Leuchtfeuers beträgt 25 Seemeilen.


Fehmarns dritter Leuchtturm WESTERMARKELSDORF (C 1280) leuchtet im Nordwesten (54°32’N/11°04’E) der Insel. Der achteckige Turm wurde 1881/82 mit einer Höhe von 12 Metern erstellt, um die Schiffe vor den flachen Wassern an dieser Ecke zu warnen. In Folge mehrerer Sturmfluten war es notwendig, die Deiche deutlich zu erhöhen und dadurch wurde 1902 auch eine Aufstockung des Leuchtturms auf 18 Meter erforderlich. Der gelbe achteckige Turm hat eine Feuerhöhe von 16 Metern und eine Tragweite von 18 Seemeilen. 1950 wurde der Turm modernisiert und erhielt für seine Gürtellinse (250 mm Brennweite) auch eine neue Laterne.



Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Fahrt durch den Nordteil des Belts besonders gefährlich. Nahe der dänischen Inseln Lolland und Falster sind die Schiffe durch zahlreiche Sandbänke und vor Puttgarden durch ein steiniges Riff bedroht. An ihrem Geburtstag am 28.Oktober 1832 weihte Königin Marie Sophie Friederike von Dänemark gemeinsam mit ihrem Ehemann König Frederik das älteste Leuchtfeuer der Insel Fehmarn ein. Das Licht wurde nach der Königin Mariefyr oder MARIENLEUCHTE getauft. Das ursprüngliche Leuchtfeuer war 18 Meter hoch , hatte eine Feuerhöhe von 28 Metern, seine Reichweite betrug zunächst jedoch nur 4 Seemeilen. Nach zahlreichen Modernisierungen der Laterne und der Optik wurde die Tragweite dann auf 27 Seemeilen ausgeweitet.

135 Jahre später wurde das alte Feuer gelöscht und durch eine neue moderne MARIENLEUCHTE (C 1284) nur wenige Meter vom alten Standort (54°34’N/11°14’E) ersetzt. Die neue Leuchte steht inmitten eines militärischen Sperrbezirks der Bundesmarine in dem sich verschiedene Kommunikationsanlagen befinden. Die MARIENLEUCHTE ist 33 Meter hoch und trägt die alte Drehlinsenoptik von 1875. Die Feuerhöhe liegt bei 40 Metern und ihr Licht trägt 22 Seemeilen.





Nachdem ein Torpedoboot der Kaiserlichen Marine nahe Staberhuk auf Grund gelaufen war, wurde der Entschluss gefasst, am Südost-Huk der Insel (54°4’N/11°19’E) einen Leuchtturm zu bauen. Im Jahre 1903 begannen die Arbeiten zum Bau des 22 Meter hohen Leuchtturms STABERHUK (C 1286), Fehmarns jüngstem Leuchtfeuer. Im Originalzustand bestand der Turm aus gelben Backsteinen. STABERHUKS 2,5m hohe Gürtelleuchte, die eine Brennweite von 925 mm hat, leuchtete ursprünglich auf dem alten Leuchtturm der Insel Helgoland. Mit der „Heinrich Wilhelm“ wurde die Optik auf einer langen Reise von der Nord- in die Ostsee transportiert, bevor sie auf STABERHUK 1904 ihren Dienst aufnehmen konnte. Das Leuchtfeuer hat eine Reichweite von 18 Seemeilen. Mittlerweile musste die Westseite des stämmigen Turms aufgrund wetterbedingter Schäden restauriert werden. Die gelben Backsteine wurden durch rote Steine ersetzt, was dem Turm eine außergewöhnliche Charakteristik mit zwei unterschiedlich farbigen Seiten gibt.

Mit dem Verlassen der Leuchtfeuerstation STABERHUK hatte ich dann auch meine Rundfahrt auf Fehmarn und den Besuch bei den 5 Lichtern der Insel abgeschlossen. Eine Reise, die sich für jeden Leuchtturmfreund lohnt, denn jeder der sehr unterschiedlichen Leuchttürme ist für sich alleine interessant.



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