In der Ostsee, zwischen Deutschland und Dänemark, getrennt durch
die Kieler und die Mecklenburger Bucht, liegt die Insel Fehmarn. Der Fehmarn
Belt Wasserweg war einer der wichtigsten Schifffahrtslinien in den letzten
Jahrhunderten und hat heute noch seine besondere Bedeutung für die
Schifffahrt von der Ost- in die Nordsee und umgekehrt.
Das deutsche Festland – rund 1.000 Meter entfernt – ist mit
dem Süden von Fehmarn durch eine architektonisch interessante Auto-
und Eisenbahnbrücke, die Fehmarnsund Brücke, verbunden. Sie
bildet den Beginn der Vogelfluglinie, die über Puttgarden im Norden
der Insel weiter nach Dänemark führt. Die 180 Quadratkilometer
große Insel gehörte noch im 19. Jahrhundert zu Dänemark.
Fehmarn wird von rund 35.000 Menschen bewohnt. Hinzu kommen jedes Jahr
Tausende von Besuchern und Urlaubern. Der Hauptort der Insel ist Burg.
Regelmäßig im Herbst ziehen gigantische Schwärme von Zugvögeln
auf ihrem Weg aus dem kalten Skandinavien in die wärmeren südlichen
Regionen über die Insel hinweg.
Wegen der besonderen Bedeutung von Leuchtfeuern für eine exakte Navigation
in diesen teilweise sehr gefährlichen Gewässern haben die dänischen
und später dann auch die deutschen Herrscher von Fehmarn an allen
Ecken, an jedem Huk, der Insel Leuchttürme errichtet.
Erster
Stopp auf der Fahrt zu den 5 Lichtern Fehmarns ist STRUKAMPHUK (C 1288),
der kleinste der Leuchttürme im Süden der Insel. Kurz nach dem
Verlassen der Fehmarnsund Brücke geht es links ab. Nach etwa 5 Minuten
erreicht man den kleinen runden Betonturm (5 m), der 1935 erbaut worden
ist. Er ist bereits das 4. Licht an dieser Position (54°5’N/11°6’E).
Zum ersten Mal wurde hier, wo im 19. Jahrhundert die Postschiffe aus Hamburg
anlegten, 1854 ein Licht gezündet. STRUKAMPHUK bildet zusammen mit
dem Oberfeuer FLÜGGE (C 1288.1) eine Richtfeuerlinie für den
Süden des Fehmarn Belts.
Der
achteckige FLÜGGE Leuchtturm ragt ungefähr 5 Kilometer weiter
westlich in den Himmel. Mit 37 Metern ist er der höchste Turm der
Insel. Das erste Leuchtfeuer brannte an der Südwest-Spitze (54°26’N/11°01’E)
im Jahre 1872 auf einem 16 Meter hohen gelben Backsteinturm. Der heutige
Turm wurde 1914/15 nach den Plänen des Turms NEULAND gebaut und 1916
in Betrieb genommen. Der erste Flügger Turm wurde danach aus Sicherheitsgründen
abgetragen. Auch der zweite Turm hatte ursprünglich ein gelbes Mauerwerk,
aber er musste, so wie viele andere Leuchttürme dem rauen Seeklima
Tribut zollen. Er verlor seine alte Charakteristik und wurde 1976/77 mit
rot-weißen Faser-zementplatten verkleidet. Die Tragweite des Leuchtfeuers
beträgt 25 Seemeilen.
Fehmarns dritter Leuchtturm WESTERMARKELSDORF (C 1280) leuchtet im Nordwesten
(54°32’N/11°04’E) der Insel. Der achteckige Turm wurde
1881/82 mit einer Höhe von 12 Metern erstellt, um die Schiffe vor
den flachen Wassern an dieser Ecke zu warnen. In Folge mehrerer Sturmfluten
war es notwendig, die Deiche deutlich zu erhöhen und dadurch wurde
1902 auch eine Aufstockung des Leuchtturms auf 18 Meter erforderlich.
Der gelbe achteckige Turm hat eine Feuerhöhe von 16 Metern und eine
Tragweite von 18 Seemeilen. 1950 wurde der Turm modernisiert und erhielt
für seine Gürtellinse (250 mm Brennweite) auch eine neue Laterne.
Zu
Beginn des 19. Jahrhunderts war die Fahrt durch den Nordteil des Belts
besonders gefährlich. Nahe der dänischen Inseln Lolland und
Falster sind die Schiffe durch zahlreiche Sandbänke und vor Puttgarden
durch ein steiniges Riff bedroht. An ihrem Geburtstag am 28.Oktober 1832
weihte Königin Marie Sophie Friederike von Dänemark gemeinsam
mit ihrem Ehemann König Frederik das älteste Leuchtfeuer der
Insel Fehmarn ein. Das Licht wurde nach der Königin Mariefyr oder
MARIENLEUCHTE getauft. Das ursprüngliche Leuchtfeuer war 18 Meter
hoch , hatte eine Feuerhöhe von 28 Metern, seine Reichweite betrug
zunächst jedoch nur 4 Seemeilen. Nach zahlreichen Modernisierungen
der Laterne und der Optik wurde die Tragweite dann auf 27 Seemeilen ausgeweitet.
135 Jahre später wurde das alte Feuer gelöscht und durch eine
neue moderne MARIENLEUCHTE (C 1284) nur wenige Meter vom alten Standort
(54°34’N/11°14’E) ersetzt. Die neue Leuchte steht
inmitten eines militärischen Sperrbezirks der Bundesmarine in dem
sich verschiedene Kommunikationsanlagen befinden. Die MARIENLEUCHTE ist
33 Meter hoch und trägt die alte Drehlinsenoptik von 1875. Die Feuerhöhe
liegt bei 40 Metern und ihr Licht trägt 22 Seemeilen.
Nachdem ein Torpedoboot der Kaiserlichen Marine nahe Staberhuk auf Grund
gelaufen war, wurde der Entschluss gefasst, am Südost-Huk der Insel
(54°4’N/11°19’E) einen Leuchtturm zu bauen. Im Jahre
1903 begannen die Arbeiten zum Bau des 22 Meter hohen Leuchtturms STABERHUK
(C 1286), Fehmarns jüngstem Leuchtfeuer. Im Originalzustand bestand
der Turm aus gelben Backsteinen. STABERHUKS 2,5m hohe Gürtelleuchte,
die eine Brennweite von 925 mm hat, leuchtete ursprünglich auf dem
alten Leuchtturm der Insel Helgoland. Mit der „Heinrich Wilhelm“
wurde die Optik auf einer langen Reise von der Nord- in die Ostsee transportiert,
bevor sie auf STABERHUK 1904 ihren Dienst aufnehmen konnte. Das Leuchtfeuer
hat eine Reichweite von 18 Seemeilen. Mittlerweile musste die Westseite
des stämmigen Turms aufgrund wetterbedingter Schäden restauriert
werden. Die gelben Backsteine wurden durch rote Steine ersetzt, was dem
Turm eine außergewöhnliche Charakteristik mit zwei unterschiedlich
farbigen Seiten gibt.
Mit dem Verlassen der Leuchtfeuerstation STABERHUK hatte ich dann auch
meine Rundfahrt auf Fehmarn und den Besuch bei den 5 Lichtern der Insel
abgeschlossen. Eine Reise, die sich für jeden Leuchtturmfreund lohnt,
denn jeder der sehr unterschiedlichen Leuchttürme ist für sich
alleine interessant. |